Thomas-Morus-Preis 2018

Thomas-Morus-Preis erstmals verliehen

Englischer Staatsmann als Vorbild für unsere Politiker


Im Rahmen eines Festaktes in Anwesenheit des Apostoli­schen Nuntius, S.E. Peter Zurbriggen, sowie von Abt Maximilian Heim OCist, wurde gestern Abend im gesteckt vollen Kaisersaal des Stiftes Heiligenkreuz erstmals der Thomas-Morus-Preis, als Stiftung des Alten Ordens vom St. Georg, auch Orden der Vier Römischen Kaiser, an Seine Eminenz Ernest Kardinal Simoni aus Albanien verliehen.

Die Verlei­hung erfolgte nach jahrelanger Suche in einem strengen Auswahlverfahren eines geeigneten Laureaten, der, nach dem Vorbild des englischen Lordkanzlers und Staatsmannes Sir Thomas More, zum eigenen Nachteil konsequent Zeugnis erbracht hat für den Primat der Wahrheit im Gegensatz zur weltlichen Macht.

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Prinz Liechtenstein erklärt den
Thomas-Morus-Preis

Prinz Gundakar von und zu Liechten­stein, Gouverneur des Alten Ordens vom St. Georg, erklärte die höchst aktuelle Bedeutung der Auszeich­nung, weil Papst Johannes Paul II. den englischen Lordkanzler, Topjuristen und hochgebildeten Humanisten, in seinem Motu Proprio vom 31. Oktober 2000 zum Patron und Vorbild für Juristen, Politiker und Regierende erklärt hat. In entwaffnend humorvoller Art widerstand Morus vor 500 Jahren den schmeichelhaften Versu­chungen und schließlich der brutalen Macht­poli­tik König Heinrichs VIII., wofür er mit seiner Hinrichtung am Schafott beim Tower von London bezahlen musste, so Liechtenstein.

Leidensweg als Gnadenakt für den Gekreuzigten

Wie Altabt Gregor Henckel von Donnersmarck OCist in seiner Laudatio ausführte, wurde Don Ernest Simoni 1963 als junger, frisch geweihter Priester, der für den soeben in Dallas einem Attentat zum Opfer gefallenen US-Präsidenten John F. Kennedy eine Messe gelesen hatte, in der Christmette vor versammelter Glaubens­gemeinde vom Altar weg verhaftet, dann gefoltert und zum Tode verurteilt. So begann sein Leidensweg im kommunistischen Albanien.

Im marxistisch-ideologischen Kampf des laut Eigendefinition „ersten atheistischen Staates“, der die kirchlichen Strukturen zerstörte, sowie die religiöse Praxis und den Glauben an Gott untersagte, wurde Don Simoni dann zu lebenslanger schwerster Zwangs­arbeit im Bergwerk und als Kanalräumer im stinkenden Kot von Shkodra „begnadigt“. Wobei das Regime hier versuchte, ihn mit verlockenden Angeboten eines welt­lichen Lebens, zu anti-kirchlichen Aussagen zu ködern, was er aber entschieden ablehnte.

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Altabt Gregor im vollen Kaisersaal

Gleich Thomas Morus, der zu schlau war, sich offen gegen seinen teuflisch böse gewordenen ehemaligen Freund, König Heinrich VIII., zu äußern, breitete Kardinal Simoni über seine Leiden, Schrecken, Schmerzen und Schikanen ein Tuch des Schweigens, sprach nie schlecht über die Regierung und Politik des Partisanen Enver Hoxha, über seine Feinde. Die Hölle von zum Tode führenden Verhören, waren psychologisch für ihn das Kreuz, welches er die Gnade hatte, für Christus tragen zu dürfen.

Versöhnung beruht auf Wahrheit, nicht auf Verschweigen

Mehr noch, blieb er im Geheimen aktiv als Seelsorger, hörte Beichte, las täglich die hl. Messe und wurde so zu einer außer­ordent­lich starken geistlichen Stütze für seine Mithäft­lin­ge und deren Familien. Erst nach dem Fall des kommunistischen Regimes 1991 kam der Priester wieder frei und folgte seiner Berufung als Geistlicher. Indem er auf Wahrheit setzte anstatt auf Verschweigen, sowie den Hass aus den Herzen der verfeindeten Menschen seines Heimat­landes vertrieb, schaffte er echte Versöhnung, wusste Altabt Gregor aus der Vita des Geehrten zu berichten.

Bald nachdem Papst Franziskus während seines Albanien-Besuches 2014 die 27 Jahre dauernde Leidens­geschich­te aus dem Mund des albanischen Priesters gehört hatte, kreierte er Don Ernest zum Kardinal Simoni. Insofern erhält Kardinal Simoni als Repräsentant aller, wäh­rend des Kommunismus unter Enver-Hoxha unterdrückten und verfolgten Christen Albaniens, diesen konzeptionell einmaligen Preis, der in nicht näher definierten Zeitabstän­den, aber immer um den katholischen Gedenktag des hl. Thomas Morus (22. Juni), an verdiente Männer und Frauen verliehen werden soll.
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Kardinal-Simoni-erhaelt-die-Thomas-Morus-Medaille
Kardinal Simoni erhält die
Thomas-Morus-Medaille

Thomas Morus Silbermedaille und Spende

Bei dem Preis handelt es sich um eine Silbermedaille, 9 cm im Durchmesser, mit dem Hl. Thomas Morus auf der Vorderseite und Revers dem Hl. Georg als Drachentöter. Vor Überreichung der Thomas-Morus-Medaille, welche in einem großen, Buch-artigen Behältnis eingebettet ist, las Prinz Liechtenstein auch die eingebundene Urkunde vor, die in ihrer hand­schrift­lich prachtvoll gestalteten Aufmachung an mittelalterliche Regesten aus kaiserlich-königlichen Archiven erinnert. Zusätzlich spendete der St.Georgs-Orden € 5.000,- für wohltätige Projekte Simonis in Albanien.

Schließlich ergriff der Preisträger, Kardinal Simoni, selbst das Wort, dankte und erzählte, wie er mit den körperlichen wie geistig-seelisch erniedrigenden Umstän­den während der vielen Jahre fertig wurde. Aber auch von der Kraft und Ausdauer, welche er durch das Gebet, die tägliche Eucharistie und Gnade Gottes erhalten hatte. In diesem Sinne empfahl er der Wohl­stands­­-verwöhnten Gesellschaft des Westens, mehr zu beten, zu glauben und zu lieben.

Wien, 22. Juni 2018

Zusätzliche Information:

Wer qualifiziert sich für den Thomas-Morus-Preis?

In Zeiten allgemeinen Werteverfalls, geistiger Verarmung und einer Politik, die mit unverantwortlichen Versprechungen und ohne jegliche gewis­sen­hafte mora­lische Ausrichtung, das Sozialgefüge zum Nachteil von Familien, Jugend, Alten, Schwachen und Ausgegrenz­ten verändert, sollen die geehrten Laureaten aus den Disziplinen Politik, Medizin, Wissen­schaft, Forschung, Wirtschaft und Publizistik, den Regierenden und Politikern als glaubwürdige Vorbilder für sittliches Verhalten, Mut in Wort und Handeln, sowie für gerechte, konsequent selbstlose Entscheidungen dienen.

Zur Veranstaltung erschien in der überregionalen katholischen Wochenzeitung “Die Tagespost” folgender Beitrag, hier in der Online-Ausgabe der Zeitung nachzulesen.

Ernest Kardinal Simoni erhält den erstmals verliehenen Thomas Morus-Preis

Von Ingo Langner

Der Thomas-Morus-Preis wird an Kardinal Ernest Simoni verliehen. Foto: Stift Heiligenkreuz (Quelle: https://www.stift-he… Foto: Elisabeth Fürst)

Wie ehrt man einen Mann, der standhaft und unbeeindruckt von heftigsten Widerständen aller Art seinen Herrn und Gott auch dann nicht verrät, wenn ihm seine Feinde deswegen 28 Jahre lang Zwangsarbeiten in Lagern, Bergwerken und Kloaken aufbürden? Wenn er ein katholischer Priester ist, dann kann dieser Mann in Purpur gekleidet und von seinem Papst zum Kardinal der römisch-katholischen Kirche kreiert werden. Genau dies ist Ernest Simoni widerfahren.

Altabt-Gregor-bei-der-Laudatio
Altabt Gregor bei der Laudatio

Nachdem der gebürtige Albaner Simoni am Heiligen Abend 1963 gleich nach der von ihm gefeierten Christmette von Schergen des kommunistischen Machthabers Enver Hoxha verhaftet, zweimal zum Tode verurteilt und zweimal von diesem KP-Chef wohl nur deshalb begnadigt wurde, um ihn zum Skelett abmagern zu lassen und qualvoll zu Tode zu schinden, ist er erst  nach dem Sturz der albanischen „Diktatur des Proletariats“ im Jahr 1990 wieder ein vollkommen freier Mann. Papst Franziskus nahm Don Ernest am 19. November 2016 in das Kardinalskollegium auf. Womit also ließe sich dieser am 18. Oktober 1928  in Troshan geborene und am 7. April 1956 zum Priester geweihte Mann darüber hinaus noch ehren?

Genau diese Frage haben sich die Ritter vom historischen weltlichen Alten Orden vom St. Georg gestellt. Den man auch den Orden der Vier Römischen Reiche nennt, der auf eine Stiftung der Kaiser Heinrich VII. und Karl IV. im 14. und Kaiser Sigismund im 15. Jahrhundert zurückgeht, und dessen Schirmherr bis zu seinem Tode 2011 vierzig Jahre lang Erzherzog Otto von Habsburg-Lothringen war.

Weil die Ordensritter, die heute vor allem Akademiker in führenden gesellschaftlichen Positionen sind, nach dem Vorbild des Hl. Georg gehalten sind, in privaten und öffentlichen Bereichen gegen die „acht Elende“ zu kämpfen (womit Krankheit, Verlassenheit, Heimatlosigkeit, Hunger, Lieblosigkeit, Schuld, Gleichgültigkeit und Unglaube gemeint sind) und der Hl. Thomas Morus als Patron der Juristen, der christlichen Politiker und Regenten auch ihr Schutzpatron ist, beschlossen sie, Ernest Kardinal Simoni zum ersten Preisträger des von ihnen vor etwa zwei Jahren etablierten Thomas Morus Preises zu machen. Diese mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung ist dem Kardinal am 21. Juni im Rahmen eines Festaktes im Kaisersaal des Stifts Heiligenkreuz verliehen worden.

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Ernest Kardinal Simoni und
Nuntius Peter Zurbriggen

Wer das Zisterzienser Kloster im schönen Wienerwald kennt, weiß, daß man in Österreich kaum einen schönen Ort dafür finden konnte. Der Preis selbst wurde dem Kardinal im Anschluß an die Pontifikalvesper mit dem Apostolischen Nuntius Dr. Peter Stephan Zurbriggen von Gundakar Prinz von und zu Liechtenstein überreicht. Doch zuvor war es die Aufgabe von Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck, die mehr als 200 Gäste mit der Vita des Preisträgers zu konfrontieren.

Er tat das, indem er – sich immer wieder auf die von Mimmo Muolo verfaßte (und in der Tagespost vom 14. Juni rezensierte) Biographie beziehend – nicht nur die Herzen seiner Zuhörer mit der Lebens- und Leidensgeschichte des Kardinals rührte, sondern ihn darüber hinaus als einen Mann zu preisen, der auch unter allerschwersten Qualen immer ein wahrer und würdiger Priester der heiligen katholischen Kirche geblieben und selbst noch in einem Bergwerksstollen tief unter der Erdoberfläche ein echter Seelsorger gewesen ist, der auch seine Feinde geliebt hat. „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig“, sagt Jesus (nach Matthäus 10.38). Genau das hat der Priester Ernest Simoni getan. Die mit dem Kardinalspurpur verbundene Pflicht, Christus bis zum Blutvergießen zu bezeugen, hat er bei seiner Kreierung bereits vollbracht.

Jeder Preisträger des Thomas Morus Preises soll in dem Sinne ein Vorbild des Heiligen sein, der nicht der Macht, sondern dem höchsten Ideal der Gerechtigkeit gedient hat. Eben darum ist Ernest Kardinal Simoni ganz ohne Zweifel ein Mann, der diesen Preis in jeder Hinsicht voll und ganz verdient hat. „Wir müssen mehr lieben, mehr beten und den Armen helfen“, war seine Botschaft für die Festgäste in Heiligenkreuz. Die Ritter des Alten Ordens vom St. Georg haben also eine vorzügliche Wahl getroffen.

Mit freundlicher Genehmigung der überregionalen katholischen Wochenzeitung “Die Tagespost“.

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